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Fachtagung der Aufsichtsräte 2017: Innere Unabhängigkeit

Loomion besuchte am 9. November die spannende wie sehr informative Fachtagung der Aufsichtsräte des Handelsblatt in Berlin. Ein denkwürdiges Datum, um Berlin zu besuchen, wenn man an und den Fall der Berliner Mauer 1989 denkt. Der 9. November trägt viel geschichtliches, wir haben uns an diesem Tag aber vor allem auf Aufsichtsräte, Vorstände und Aktionäre konzentriert. Hinzu kamen sehr anregende Vorträge zu den Themen Compliance und Governance.

Fachtagung für Aufsichtsräte 2017

Fachtagung für Aufsichtsräte 2017

Wir werden in den nächsten Wochen die Fachtagung in mehreren #Recaps zusammenfassen, damit - zumindest in kurzer Form - die Quintessenzen nachlesbar sind. Prof. Dr. Dr. Manuel Theisen begrüßte die Teilnehmer und gab eine kurze Einführung zu Georg F. Thoma, der den ersten Vortrag hielt.

 

An dieser Stelle noch ein paar Worte zu Herrn Thoma:

 

Georg Thoma ist einer der erfahrensten deutschen Wirtschaftsanwälte. In den Jahren 2013 bis 2016 leitete er den Integritätsausschuss im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er sollte beim damaligen relativ lockeren Umgang mit Kontrollen, Aufsehern und Rechtsfällen für Ernsthaftigkeit sorgen. Thoma nahm seine Aufgabe ernst und klärte auf. Immer wieder kritisiert er intern die schleppende Aufklärung von Skandalen. Als etliche Aufsichtsbehörden der Bank Verzögerungstaktik vorwerfen, ist Thoma in Aufruhr. Es geht um die Aufklärung der Manipulation des Referenzzinses Libor. Nun setzt er es sich zum erklärten Ziel, erst recht aufzuräumen.

Thoma weitete die internen Prüfungen immer weiter aus. „Niemand will die Aufarbeitung der Altlasten stoppen, aber Thoma will auch noch untersuchen, ob die Untersuchung der Untersuchung korrekt verlaufen ist“, heißt es im Aufsichtsrat. Dann trat Thoma zurück. Das nur kurz als Hintergrundinformation, passt aber perfekt zum Vortragstitel „Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat“ und ist wichtig, um die Parallelen aus dem Vortrag zu verstehen. Erst dann bekommt er die notwendige Würze. [1][2][3]

 

Herr Thoma begann in seinem Vortrag damit, was die aktuellen Themen rund um den Aufsichtsrat sind und gebrauchte Worte, wie: „Der Aufsichtsrat ist zu lasch!“, „... in männlicher Hand“, ...dynamische Entwicklung, Diversity, Internationalität, Frauenquote, Sektorkennung des Gremiums und die Expertise“ waren andere wichtige Schlagworte. Aber wie füllt man diese mit Leben und macht sie greifbar? Eigentlich hat man mit dem Vorstand eine dualistische Aktiengesellschaft. Der Aufsichtsrat im Wandel braucht aber den Vorstand. Dafür müssen die Informationen auf dem richtigen Niveau verfügbar sein. Oft bekommen die Aufsichtsräte die Berichte in abgeschmackter Form. „One Size fits all?“ Das ist was Herr Thoma in Frage stellt. Es wird viel vom Aufsichtsrat verlangt: Er soll überwachen, aber wer überwacht schlussendlich die Überwachung? Es gibt festgefahrene Rituale in Aufsichtsräten, kommt man neu ins Gremium, muss man sich in den oft eingefahrenen Strukturen zurechtfinden. Hinzu kommt die Frage, ob die Information überhaupt sicher gestellt ist Gibt es die Einsicht auf frühere Vorkommnisse oder Geschehnisse, so dass man eigentlich nur bei der Diskrepanz zwischen früher und heute ansetzen muss? Meist ist aber diese wichtige Informationsbasis nicht gegeben. Und trotzdem muss der Aufsichtsrat prüfen und ist haftbar. Und wenn er richtig anfängt zu prüfen, dann wird er, salopp gesagt, dem Vorstand und auch anderen Führungspositionen schnell unangenehm.

 

Herrn Thoma wurde in der Vergangenheit viel vorgeworfen. So auch, dass es ihm weniger um die Wahrheit geht als darum, Haftungsansprüche gegen sich selbst zu vermeiden. Das mutmaßten einige Personen in der Bank. Man kann es nie richtigmachen; das kam deutlich an diesem Tag bei den Vorträgen und Diskussionen heraus. Wir gehen dieser Frage in den nächsten Wochen weiter nach.

 

Im Manager Magazin wurde ein sehr interessanter Artikel über einen Vortrag von Herrn Thoma über die „Innere Unabhängigkeit“ veröffentlicht. „Die Unabhängigkeit kann unter Umständen sehr unangenehm werden“, so Thoma, „für die anderen aber auch für einen selber.“ Man muss weg von der Mikrosicht, man braucht die Sicht auf die Welt, durch Bildung und vor allem Weiterbildung. #FreeYourBoard

 

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[1] http://www.manager-magazin.de/unternehmen/banken/deutsche-bank-ex-aufsichtsrat-georg-thoma-zu-unabhaengigkeit-a-1148306.html

[2] https://www.board-portal-software.de/artikel/one-size-fits-all-board-portal-software-von-der-stange.html

[3] http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/referenzzins-libor-tod-einer-legende/20114788.html