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8. Österreichischer Aufsichtsratstag: Nichts ist so beständig wie der Wandel

Letzte Woche besuchte Loomion den 8. Österreichischen Aufsichtsratstag in Wien und wird die spannenden und informativen Vorträge in mehreren Recaps wiedergeben. Veranstalter des Aufsichtsratstages waren Frau Prof. Dr. Susanne Kalss und Herr Prof. Dr. Werner Hoffmann.

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8. Österreichischer Aufsichtsratstag

8. Österreichischer Aufsichtsratstag

Der Aufsichtsratstag startete mit drei Workshops zu aktuellen Herausforderungen für den Aufsichtsrat in den unterschiedlichen Unternehmenstypen Familienunternehmen, öffentliche Unternehmen und börsennotierte Unternehmen. Ich nahm an der Diskussionsrunde im Workshop zu Familienunternehmen teil. Es ging um die Turbulenzen in der Lengenfels AG, die auch in „Aufsichtsrat aktuell“ (siehe Jg. 17, Heft 3, Seite 24 als praktisches Fallbeispiel beschrieben wurden.In der Diskussion wurde klar, welchen Herausforderungen sich Familienunternehmen stellen müssen, gerade weil Nachfolger unter Umständen noch jung und unerfahren sind und es auch freundschaftliche Bande mit anderen Unternehmen gibt, wodurch bspw. durch ein „Freundschaftsangebot“ Fehlentscheidungen passieren können, wenn das Angebot nicht richtig abgewogen wurde. Eine Lösung des Problems gab es nicht, es war lediglich eine Momentaufnahme, die den Teilnehmern vor Augen führte, wie verwoben zum Teil geschäftliche Dinge in Geschäftsführung, Vorstand und im Aufsichtsrat sein können. Der Workshop wurde von ausführlichen Unterlagen begleitet, die den Fall detailliert beschrieben.

 

Nach dem ausladenden Mittagsbuffet ging es mit einer kurzen Begrüßung durch Herrn Prof. Dr. Harald Badinger, Vizedirektor für Finanzen der WU Wien, weiter.

 

Der erste Vortrag, den wir besprechen hatte den Titel „Transformation: Neue Konfliktfelder – widerstreitende Interessen im Aufsichtsrat“ und wurde von Frau Prof. Dr. Susanne Kalss gehalten. Das Thema passte sehr gut zu den Inhalten der zuvor gehaltenen Workshops.

 

In den letzten Wochen wurde in der Presse berichtet, wo es Konfliktfälle in Aufsichtsräten gibt. Ein Beispiel war, dass ein Mitglied des Aufsichtsrats eines Energieversorgers mit der unternehmerischen Tätigkeit beginnt, Stromkunden zum Wechsel zu bewegen. Die Transformation bringt den Wandel von bestehenden und die Suche nach neuen Geschäftsfeldern mit sich. Es ist also nicht verwunderlich, dass im Aufsichtsrat neue Zusammensetzungen (und Zuständigkeiten?) probiert werden, auch wenn dadurch unter Umständen Konflikte entstehen können.

 

Eine Situation, in der man nicht sicher sein kann, dass das betreffende Organmitglied unbedingt allein die Interessen der Gesellschaft verfolgen wird, ist ein Interessenkonflikt. Aber nur weil bspw. eine Nahebeziehung mit einem Aufsichtsratsmitglied oder dessen Unternehmen besteht, heißt das nicht, dass er nicht exzellent seine Aufgabe zu erfüllt.

 

„Ein Aufsichtsratsmitglied handelt als ein ordentlicher und gewissenhafter Überwacher, der sich bei seiner unternehmerischen Entscheidung nicht von sachfremden Interessen leiten lässt. Auf der Grundlage von angemessenen Informationen wird er zum Wohl der Gesellschaft beitragen und im guten Glauben handeln“, das sagt die Business Judgement Rule (BJR), die auch in Deutschland seit 1997 rechtskräftig ist.

 

Sollte sich tatsächlich eine Konfliktsituation abzeichnen, dann muss der AR pflichtbewusst handeln. Das betroffene AR-Mitglied muss wegen der Treuepflicht den Interessengegensatz dem Vorsitzenden offenlegen. Dieser entscheidet dann, ob der Aufsichtsrat insgesamt zu informieren ist. Der gesamte Aufsichtsrat muss in angemessener Weise mit der Konfliktlage umgehen, sonst droht selbst der Verlust der BJR.

 

Welche Maßnahmen werden zur Bewältigung durchgeführt? Zum einen wird die Situation offengelegt, so dass die anderen Mitglieder des AR Bescheid wissen. Weiterhin können von einer unbefangenen Person weitere Informationen eingeholt werden. In konkreter Angelegenheit kann Stimmausschluss, partieller Informationsausschluss, partieller Teilnahmeausschluss bis hin zum Amtsverlust durch Rücktritt oder Abberufung gefordert werden.

 

Die größte Gefahr bei Interessenkonflikten bei AR-Mitgliedern ist die Verwertung der bezogenen Information mit möglicher Gefährdung der Gesellschaft. Der Vorstand muss deswegen den Interessenskonflikt eines AR-Mitglieds berücksichtigen. Es sollte eine frühe Diskussion im Sinne der Beratung und Unterstützung stattfinden.

 

Frau Prof. Dr. Kalss fasste zusammen, dass nichts beständiger ist als der Wandel und dass gerade deswegen die Suche nach neuen Geschäftsfeldern und „frischen“ Aufsichtsräten unter Umständen Interessenkonflikte mit sich bringt. Es ist deshalb wichtig im Aufsichtsrat eine gute und offene Gesprächskultur zu fördern.

 

Der 9. Österreichische Aufsichtsratstag findet wieder am 21. Februar 2019 in Wien statt.

 

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MMag. Andreas Kowacsik

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